
Wienerberger Ziegelwerke
Von der Ziegelproduktion zum Weltkonzern: die Geschichte der Hennersdorfer Ziegelwerke.
Die Errichtung der modernen Ziegelindustrie begann in Hennersdorf erst nach 1850. Durch die Ziegelindustrie schnellte die Einwohnerzahl explosionsartig von 248 im Jahr 1850 auf 1.406 im Jahr 1890 hinauf. In Hennersdorf entstanden um die Mitte des 19. Jahrhunderts insgesamt vier Werke, von denen sich das Werk beiderseits der Pottendorfer Linie bis heute erhalten hat und in der Firma Wienerberger aufgegangen ist.
Leben auf Ziegelwerken
Für die Saisonarbeit wurden oft tschechische, italienische und kroatische Arbeitskräfte angeworben. Die ‚böhmischen und slowakischen Schwalben" (Arbeiter ohne Familie) blieben nur im Sommer. Die roten Häuser (unverputzte Ziegelfassaden) waren Massenquartiere; es gab werkseigene Kantinen und Kaufläden. Die soziale Lage der Ziegelarbeiter war äußerst trist: katastrophale Wohnungs- und Hygieneverhältnisse, endlose Arbeitszeiten, schlechte Arbeitsbedingungen, wenig Bezahlung und miserable Massenquartiere waren das tägliche Los.
Das Stierwerk
Vermutlich schon in den 1850er-Jahren gründete Johann Stier eine Ziegelanlage an der Nordostgrenze von Hennersdorf, das erste nachweisbare Werk, das er bald an die ‚Erste Wiener Maschinen-Ziegel-Fabriks-AG" verkaufte. 1915 wurde der Betrieb eingestellt, die Gründe ab 1931 parzelliert. Es entstand die Siedlung ‚Stierofen".
Das Müllerwerk
In den 1860er-Jahren entstand im südöstlichen Teil des Ortes ein zweites Ziegelwerk. Aus Müller-Handschlagziegeln mit dem Kennzeichen ‚H M" (Hennersdorf Müller) wurde unter anderem die Antonskirche in Wien X erbaut. 1880 wurden die Ziegel mit bis zu sechs Paar Pferdegespannen bis zur Ringstraße gebracht. Damals entstanden die großen Ringstraßenpalais. Das Werk wurde von Kaiser Franz Joseph I. mit einem Orden ausgezeichnet.
Das heutige Werk
1870 entstand ein drittes Werk, 1882 wurde es Eigentum der Wienerberger Gesellschaft. Das vierte Werk, 1869 von Carl Lesk gegründet, ging 1890 unter kuriosen Umständen (bei einer Billardpartie) an den Wienerberger-Generaldirektor Dr. Emil Teirich über. Wienerberger ist heute mit 204 Produktionsstandorten in 30 Ländern der weltweit größte Ziegelproduzent mit einem Konzernumsatz von knapp 3 Milliarden Euro.










